Vor langer, langer Zeit...

An der Silberhofstraße befindet sich mit ihren mehr als 100 Jahren eine der ältesten Kleingartenanlagen Freibergs, der „6. Maßschacht e.V.“.

1883 stellte das Johannishospital Flächen für dringend benötigte Gärten zur Verfügung. Erstmals wurden dabei auf dringlichen Wunsch der Schulen Schülerbeete angelegt.  
Die Gründung des ersten Schülergartens erfolgte am Standort des Freiberger Wächterhauses 1898 im deutschen Kaiserreich in Verbindung mit dem Gegenstück in Breslau, die dann von den örtlichen Volksschulen betreut und gepflegt wurden.

Der Schülergarten diente dem Zweck, dass sich Schüler unter Aufsicht und Anleitung mit Gemüseanbau und Blumenpflege beschäftigten. Das Besondere an dem Schülergarten lag in der Philosophie, nicht nur Lehrzwecke zu erfüllen wie die üblichen Schulgärten, die folgten, sondern auch hygienische und sittliche Inhalte in den Vordergrund zu stellen.

Mit dem Kauf des Geländes durch die Stadt Freiberg erfolgte im März 1902 die Gründung der Gartenanlage „Johannisgärten an der Silberhofstraße“, aus der im Laufe der letzten 100 Jahre mit der Neugründung 1990 die Gartensparte 6.Maßschacht hervorging.

Inmitten dieser Kleingartenanlage steht eines von zwei deutschlandweit einmaligen Wächterhäusern, errichtet 1902 als erstes Wächterhaus Freibergs. Darin wohnte der Wärter, der für die Geräteverwaltung, die Ordnung und Sicherheit in der Anlage und auch für die Pachtkassierung verantwortlich war. Die Wohnung des Wächters befand sich im Obergeschoss, während im Erdgeschoss Räume für Geräte, Zimmer für Schüler und Toiletten untergebracht waren.


Ein zweites Wächterhaus wurde in Freiberg 1908/09 in der Kleingartenanlage an der Scheunenstraße errichtet. Diese beiden sind die einzigen noch vorhandenen Bauwerke dieser Art in Sachsen und Deutschland. Die Freiberger Wächterhäuser stellen eine Besonderheit in der Entwicklungsphase des Kleingartenwesens dar.


Durch die Organisation der Gartenanlagen in Vereinen verloren die Wächter ihre ursprüngliche Bedeutung. Bis 1992 war das Wächterhaus des „6. Maßschacht“ im Obergeschoss bewohnt, die untere Etage diente bis dahin als Unterrichtsraum für den Schulgarten.

Nach 24 Jahren Leerstand wurde dieses kulturhistorisch einmalige Erbe liebevoll saniert und im Frühjahr 2017 endlich wieder in Nutzung genommen.